#2 Wenn Sünder in weiß heiraten

Wenn Sünder in weiß heiraten

Daniel Emery Price

06.12.2019

Es ist Jahre her, da kam eine junge Frau auf ihren Pastor zu und hatte eine Bitte. Es war keine ungewöhnliche Bitte. Sie hat ihn schlicht und einfach gebeten, sie zu trauen.

Sie lebte mit ihrem Freund zusammen und die beiden gingen erst seit kurzem in die Gemeinde des Pastors. Die zwei waren erst seit einigen wenigen Monaten Christen und da erschien es ihnen nur richtig, jetzt zu heiraten. Der Pastor freute sich über diesen Entschluss und war ebenfalls einverstanden, die Trauung zu übernehmen. Aber das ist nur ein Teil der Geschichte.

Denn diese junge Frau vertraute ihrem Pastor ebenfalls an, dass sie schwanger war. Glücklicherweise änderte das nichts an dem Entschluss des Pastors, die beiden zu verheiraten. Aber es führte dazu, dass er die Sache so schnell wie möglich angehen wollte.

Bevor sie mit ihrem Pastor sprach, hatte sie eigentlich gehofft, im Juni heiraten zu können, so dass sich auch die Familie von weiter her Zeit nehmen und anreisen könnte. Einige von diesen Verwandten hatten seit langem keine Kirche mehr betreten. Deshalb träumte sie von einem Traugottesdienst, wo ihnen das Evangelium gepredigt werden würde. (Neue Christen sind auf wunderbare Weise von diesem Eifer erfüllt. Sie haben noch nicht gelernt, ihre Schwäche und Scham zu verbergen). Da ihr Pastor sie ermutigte, möglichst zügig zu heiraten, war sie bereit, ihre Hochzeit in den April vorzuverlegen. Früher aber nicht.

Der Pastor zeigte sich mit der April-Trauung einverstanden, allerdings hatte er seinerseits eine Bitte an die junge Frau. Er mahnte an, dass er sie aufgrund der schwierigen Umstände und um der anderen Gemeindeglieder Willen bitten müsse, auf ein weißes Brautkleid zu verzichten. Demütig stimmte sie zu.

Nach ihrem Gespräch ging sie shoppen und kaufte sich ein hellgelbes Kleid. Es hatte noch etwas Platz, in den ihr Baby bis zur Hochzeit hineinwachsen würde.

Die Wochen vergingen. Ein paar Tage vor dem großen Tag probierte sie ihr Kleid noch einmal an, um sicherzugehen, dass alles sitzt. Doch obwohl sie schlank war, passte sie mit dem Kind in ihrem Bauch einfach nicht in das Kleid. Die Zeit war knapp und das Geld noch knapper. Also machte sie sich auf die Suche nach einem weniger teuren, nicht-weißen Kleid.

Ich muss gestehen, dass ich selbst nie ein Brautkleid gekauft habe, aber ich habe mir sagen lassen, dass du es einfach weißt, wenn du das richtige gefunden hast. Und sie hatte es gefunden. Es war ein schlichtes und dezentes Hochzeitskleid. Es war bescheiden und unscheinbar. Es war günstig und passte perfekt … aber es war weiß.

Als eine neue Christin hatte sie noch nicht sonderlich viel in der Bibel gelesen oder gar einzelne Sprüche auswendig gelernt. Auch war ihr theologisches Denken noch nicht sonderlich ausgeprägt. Aber zumindest einen Vers kannte sie auswendig und in diesem Moment fielen ihr die Worte ein:

So kommt denn und lasst uns miteinander rechten, spricht der HERR. Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden…

(Jesaja 1,18)

Da kam ihr der Gedanke: “Wenn es das ist, was Gott sagt, vielleicht sagt er es dann ja auch zu mir. Und möglicherweise hat er nichts dagegen, wenn ich ein weißes Kleid trage.” Dieser Gedanke verlieh ihr so viel Mut, dass sie das weiße Kleid schließlich kaufte.

Es kommt öfters vor, dass Menschen unter Tränen ihren Pastor aufsuchen. Aber wenn eine schwangere Frau, die in ein paar Tagen heiraten will, weinend dein Büro betritt, befürchtest du das Schlimmste. So wie in diesem Fall.

 “Was ist los?” fragte der Pastor, während sie Platz nahm und ihr die Tränen die Wange hinunter liefen.

 “Herr Pastor, ich habe mein Kleid anprobiert und es passt nicht. Ich bin losgegangen und habe nach einem anderen gesucht und eines gefunden, das perfekt sitzt – aber es ist weiß. Ich möchte keine Probleme machen, aber ich habe an diesen Vers gedacht, der sagt: ‘Wenn meine Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden.’ Und ich dachte, dass gilt auch mir und Gott hat nichts dagegen, wenn ich ein weißes Kleid trage.

Manchmal wird der Schüler zum Lehrer. Und manchmal helfen neue Christinnen dabei, dass freundliche alte Pastoren die wunderschöne Hauptsache des christlichen Glaubens wiederentdecken. Während ihm die Tränen in die Augen schossen, sagte er: “Es tut mir so leid. Ich kann nicht glauben, dass ich von Ihnen verlangt habe, etwas zu tragen, das ihr Scheitern versinnbildlicht. Können Sie mir bitte vergeben?” 

Und ganz selbstverständlich tat sie das.

Am Morgen der Hochzeit zog die Braut und werdende Mutter ihr schlichtes, dezentes, weißes Kleid an, über sich und über das Kind in ihrem Bauch. Das Kleid war wie ein heiliges Gewand, das all ihre Sünde und Scham bedeckte. Frei von öffentlicher Beschämung und mit einer demütigen Tapferkeit, die ihr allein durch die Gerechtigkeit eines anderen verliehen wurde, zog sie in die Kirche ein und durchschritt die Bankreihen hin zum Altar.

Auf den heutigen Tag ist das 36 Jahre her.

Diese junge Frau war meine Mutter und das Kind war ich.

Und noch immer ist weiß unsere Farbe.

(Der Artikel erschien zuerst auf 1517.org)

Daniel Emery Price ist Autor, Redner und der Kopf hinter der Here we still stand-Konferenz sowie anderen Events von 1517. In seinem Leben hat er bereits als Musiker gerarbeitet und nach seinem Theologiestudium als Pastor eine Gemeinde gegründet. Er ist Initiator von Christ Hold Fast, einem Onlineportal, dass unter anderem durch Blogbeiträge das Evangelium unter die Leute bringt. Daniel ist Podcaster und ist unter anderem bei 40 Minutes in the Old Testament und 30 Minutes in the New Testament zu hören.